PRESSEMITTEILUNG

Fokussierung auf Vergütung bei Lehrern greift zu kurz

Anlässlich der Sondersitzung der CDU-Fraktion zur Gewinnung und Sicherung des Lehrkräftebedarfs in Sachsen erklärte Arbeitgeberpräsident Dr. Jörg Brückner:

„Die sächsische Wirtschaft begrüßt, dass die CDU-Fraktion sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Wir erwarten, dass dies auf Grundlage aller relevanten Daten, Zahlen und Fakten erfolgt. Denn nur wenn klar ist, wo welche Lehrer beschäftigt sind, wie sie bezahlt werden und wo es Lücken gibt, ist eine sachliche Bewertung möglich.

Die Ursachen für die schwierige Situation an Sachsens Schulen sind vielschichtig: wir haben erfreulicherweise steigende Schülerzahlen, aber auch viele Lehrer, die in Rente gehen und ersetzt werden müssten. Dabei gibt es bundesweit weniger Absolventen, als Lehrer eingestellt werden - verursacht u. a. durch eine Rückkehr zu längeren Gymnasialzeiten, das oftmals praxisferne Durchboxen der Inklusion sowie die starke Zunahme von Migrantenkindern mit einem hohen Förderbedarf in den Bildungseinrichtungen. Da bei uns vor Ort weniger Lehrer ausgebildet als eigentlich gebraucht werden, sitzt der Freistaat am kürzeren Hebel. Kurzum: Sachsens Schulen leiden unter einem Versagen des Bildungsföderalismus an dieser Stelle und einer wenig vorausschauenden Lehrerausbildung.

Lehrer haben angesichts dieser Herausforderungen unsere Hochachtung verdient und müssen ohne Zweifel angemessen bezahlt werden. Aber es ist auch klar: das Drehen an der Entgeltschraube wird zwar sehr teuer, löst jedoch nicht die strukturellen Probleme. Zumal die Anhebung der Lehrergehälter gegenüber anderen Bundesländern nur ein temporärer Vorteil ist, nicht zuletzt, weil diese vor den gleichen Aufgaben stehen und nachziehen werden.

Gleichzeitig ist es vor Ort schwierig zu vermitteln, warum die Verdienste im öffentlichen Dienst noch höher als bislang über denjenigen liegen sollen, die dies über ihre Steuern finanzieren und deren Entlastung angeblich nicht oder nur in homöopathischen Dosen finanzierbar sei. In der Wirtschaft gibt es finanzielle Grenzen bei der Einkommensentwicklung, die dadurch gesetzt werden, zu welchen Preisen Produkte oder Dienstleistungen am Markt verkauft werden können. Im öffentlichen Dienst neigt man gern dazu solche „Löcher“ mit Steuererhöhungen auszugleichen. Hier sollte trotz aller Notwendigkeiten auf Ausgewogenheit geachtet werden.

Wir erwarten daher von der Staatsregierung, dass sie bessere Antworten auf die momentane Situation gibt. Es darf beispielsweise nicht sein, dass angehende Mathelehrer für Gymnasien in Sachsen dreieinhalb Jahre länger studieren als ein Ingenieur und ein Geschichtslehrer bei seinem Abschluss für die Oberschule durchschnittlich 28 Jahre und für Gymnasien sogar bereits 33 Jahre alt ist! Auch ist es unerklärlich, warum bei einem allgemeinen Lehrermangel noch immer zwei von fünf Lehrern in Sachsen nur in Teilzeit beschäftigt, viele ausgebildete Lehrer in der Verwaltung tätig und die Klagen über Bürokratie groß sind.

Es sind daher dringend Lösungen notwendig, um die Lehrerausbildung schneller und effizienter zu machen. Gleichzeitig brauchen wir Antworten, wie die schulische Eigenverantwortung ausgebaut, Lehrer zu Normalarbeitszeiten motiviert und wie durch gezielte Investitionen in die Digitalisierung moderne und leistungsfördernde Rahmenbedingungen an unseren Schulen geschaffen werden können.“

Anlagen:
- Lehrerverdienste Sachsen
- Prognose der Gesamtschülerzahlen an öffentlichen Schulen in Sachsen