PRESSEMITTEILUNG

Geplante "Brückenteilzeit" ist kontraproduktiv

„Flexible Beschäftigungsformen, wie bspw. Teilzeit, haben mit dazu beigetragen, dass sich der Arbeitsmarkt positiv entwickelt. Seit Inkrafttreten des Teilzeit- und Befristungsgesetzes 2001 ist die Teilzeitquote sächsischer SV-Beschäftigter von 16 auf 30 Prozent gestiegen. Diese Entwicklung ging aber nicht zu Lasten von Vollzeitstellen, wie häufig behauptet wird. Stattdessen nahm die Beschäftigung von Frauen und älteren Beschäftigten überdurchschnittlich zu, wodurch in Sachsen die Anzahl der Erwerbstätigen auf den höchsten Stand seit 1991 stieg und die Erwerbsquote mit über 80 Prozent im Bundesländervergleich den Spitzenwert und auch EU-weit nur knapp hinter Schweden den zweiten Rang erreicht (Eurostat, 2017).

Insgesamt arbeiten mit einem Anteil von 70 Prozent die meisten SV-Beschäftigten im Freistaat in Vollzeit. Dabei gibt es sehr große Unterschiede zwischen den einzelnen Branchen. Während der Anteil an Vollzeitstellen in fast allen Bereichen der privaten Wirtschaft über dem sächsischen Durchschnitt liegt, befinden sich die von der öffentlichen Hand dominierten Wirtschaftszweige deutlich darunter. Bspw. arbeitet in der Industrie nicht einmal jeder zehnte Beschäftigte in Teilzeit. Dagegen trifft dies im Bereich Schulen und Hochschulen auf fast jeden zweiten zu.

Aktuelle Überlegungen, Arbeitnehmern einseitig ein erweitertes Recht auf Rückkehr in Vollzeit einzuräumen, sind kontraproduktiv. Das Teilzeit- und Befristungsgesetz sieht schon heute vor, dass Teilzeitkräfte bei der Besetzung eines entsprechenden freien Arbeitsplatzes vorrangig berücksichtigt werden müssen. Ein weitergehender Anspruch, der die betrieblichen Erfordernisse unberücksichtigt lässt, ist in der Praxis nicht realisierbar und abzulehnen. Zudem gehen 88 Prozent der Teilzeitbeschäftigten freiwillig keiner Vollzeittätigkeit nach und der Anstieg der Teilzeitbeschäftigung zeigt, dass die Betriebe bereits jetzt gemeinsam mit ihren Mitarbeitern Lösungen finden, um die gesellschaftlich gewollten und gesetzlich verankerten Teilzeitansprüche umzusetzen.

Statt die Firmen immer mehr zu gängeln, muss die Politik die Ganztagsbetreuung weiter ausbauen, damit mehr Eltern die Möglichkeit erhalten, vollzeitnah zu arbeiten. Der Freistaat verfügt hier im Bundesvergleich über eine gute Ausgangslage, die es für die kommenden Jahre zu sichern und qualitativ weiter zu verbessern gilt“, erklärte Arbeitgeberpräsident Dr. Jörg Brückner.

Weitere Informationen finden Sie im VSW.kompakt: Fakten zur Teilzeitdebatte