PRESSEMITTEILUNG

Wirtschaftspolitik bei Produktions- und Standortbedingungen gefordert – Fortführung der Technologieprojektförderung gerade jetzt notwendig

Anlässlich des heutigen Industriedialogs Neue Mobilität Sachsen in Dresden erklärte Arbeitgeberpräsident Dr. Jörg Brückner:

„Die systemrelevante sächsische Automobil- und Zulieferindustrie steht gleichzeitig vor mehreren Herausforderungen. Die Politik greift mit massiver Regulierung ein, was den Strukturwandel hin zu neuen Antriebstechnologien und Verkehrskonzepten beschleunigt und gleichzeitig zu einer globalen Nachfrageschwäche bei steigender Kostenbelastung führt. Das hat die Produktionsentwicklung in der deutschen Automobilindustrie regelrecht einbrechen lassen, wovon wiederum besonders die Zulieferbereiche betroffen sind. Sachsen treffen diese Entwicklungen überproportional.

‘So ist der Zulieferanteil höher als bundesweit. Gleichzeitig sind diese Betriebe im Schnitt kleiner und nachrangiger in der Zulieferkette, was tendenziell einen höheren Kostendruck zur Folge hat. Hinzukommt, dass die Finalisten und größeren Zuliefergruppen fast ausschließlich produktionszentriert sind, was zu einer ungünstigen Sandwichposition Sachsens zwischen den westeuropäischen Konzernsitzen zum einen und den kostengünstigen osteuropäischen Produktionsstandorten führt. Die Austauschbarkeit mit anderen kostengünstigeren Fertigungsstandorten ist damit hier ungleich höher‘, analysiert das imreg-Institut im aktuellen Standpunkt.

Vor diesem Hintergrund erwarten wir, dass die Politik auf Landes- und Bundesebene ihre Hausaufgaben macht und so zur Verbesserung der Produktions- und Standortbedingungen vor Ort beiträgt. Dazu gehören neben wettbewerbsfähigen Energiekosten, eine leistungsfähige Infrastruktur sowie ein innovationsfreundlicher Rechtsrahmen. Zudem muss Technologieoffenheit Richtschnur für alle politischen Entscheidungen und jedes staatliche Handeln bleiben. Angesichts dieser schwierigen Situation für die Branche ist es nicht nachvollziehbar, dass Sachsen seine Technologieprojektförderung für Unternehmen aus vermeintlicher Mittelknappheit zum Jahresende 2019 gestoppt und kurze Zeit später ein 220 Mio. EUR schweres Sofortprogramm auf den Weg gebracht hat, ohne dass darin nennenswerte wirtschaftsfördernde Maßnahmen ergriffen wurden. Aus Sicht der sächsischen Wirtschaft werden so die falschen Prioritäten gesetzt, immerhin hängen über 100.000 Industriearbeitsplätze an der Autoproduktion.“

Anlage: imreg-Standpunkt „Politik erzwingt Disruption in einem systemrelevanten Industriezweig – Herausforderungen für Standort steigen“